FAQ zum Hanta-Virus
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1. Was sind Hantaviren?
Hantaviren sind Viren, die zur Familie der Hantaviridae gehören. Sie verursachen Erkrankungen, die vor allem die Nieren und auch die Lungen betreffen. Es handelt sich um sogenannte Zoonosen, also Infektionen, die vom Tier auf den Menschen übergehen.
Jedes Hantavirus ist typischerweise an eine bestimmte Nagerart als Reservoir gebunden. Die Tiere selbst werden meist nicht krank, scheiden das Virus aber mit Urin, Kot und Speichel aus.
Beim Menschen können Hantaviren je nach Virusspezies unterschiedliche Krankheitsbilder auslösen:
- In Europa und Asien meist eine Nierenbeteiligung (Hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom, HFRS, oder die mildere „Nephropathia epidemica“).
- In Nord- und Südamerika vor allem das Hantavirus kardiopulmonales Syndrom (HCPS) mit schwerer Lungenerkrankung.
2. Wie werden Hantaviren übertragen?
Hantaviren werden in der Regel nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Der wichtigste Infektionsweg ist die Übertragung vom Nager auf den Menschen.
Typische Übertragungswege sind:
- Einatmen von Staub, der mit getrocknetem Nagerurin, -kot oder -speichel verunreinigt ist (zum Beispiel beim Fegen, Ausmisten, Aufräumen von Schuppen, Dachböden, Garagen).
- Seltener Bissverletzungen durch infizierte Nager.
Für die in Europa vorkommenden Hantavirus-Typen gilt:
Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bisher nicht belegt.
Eine Ausnahme bildet das Andes-Hantavirus in Südamerika. Hier sind in seltenen Fällen Mensch-zu-Mensch-Übertragungen beschrieben worden.
3. Wo kommen Hantaviren vor?
Hantaviren kommen weltweit vor. Sie sind überall dort zu finden, wo die jeweiligen Nagertiere leben, die als Reservoir dienen.
- In Europa spielt vor allem das Puumala-Virus eine Rolle, dessen Hauptwirt die Rötelmaus ist.
- In Deutschland treten zudem selten Infektionen mit dem Dobrava-Belgrad-Virus auf, das von der Brandmaus und Gelbhalsmaus übertragen wird.
In Deutschland treten Hantavirus-Erkrankungen in bestimmten Regionen gehäuft auf:
- Niedersachsen (Osnabrück)
- Nordrhein-Westfalen (Köln)
- Baden-Württemberg und Bayern
Die Zahl der gemeldeten Erkrankungen schwankt von Jahr zu Jahr. Nach „Mastjahren“ mit besonders vielen Bucheckern oder Eicheln kommt es oft zu mehr Nagern und in der Folge auch zu mehr Hantavirus-Infektionen beim Menschen.
4. Was sind die Symptome einer Hantavirus-Erkrankung?
Die Beschwerden beginnen meist plötzlich nach einer Inkubationszeit von etwa 2 bis 4 Wochen. Der Verlauf kann sehr unterschiedlich sein: von unbemerkten oder grippeähnlichen Infekten bis hin zu schweren Erkrankungen.
Häufige Allgemeinsymptome:
- Plötzlich einsetzendes hohes Fieber
- Starke Kopf-, Rücken- und Gliederschmerzen
- Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen
- Ausgeprägtes Krankheitsgefühl und Schwäche
Typische Organbeteiligungen (Europa):
- Nieren: Eiweiß und Blut im Urin, verringerte Urinmenge, bis hin zum akuten Nierenversagen, das eine Dialyse notwendig machen kann.
- Gefäße und Blutgerinnung: Neigung zu Blutungen, Petechien (punktförmige Einblutungen in der Haut).
In Nord- und Südamerika (HCPS) steht eine schwere Lungenerkrankung im Vordergrund, mit Atemnot, Husten und Lungenödem. Diese Verläufe können lebensbedrohlich sein.
Viele Infektionen in Deutschland verlaufen jedoch mild oder sogar ohne Symptome und bleiben daher unentdeckt.
5. Wie wird eine Hantavirus-Infektion diagnostiziert?
Der Verdacht ergibt sich aus:
- den Beschwerden (plötzliches Fieber, Schmerzen, Nierenprobleme)
- einer passenden Exposition (Kontakt zu Nagern, Aufenthalt in Wald- und ländlichen Gebieten, Aufräumarbeiten in Scheunen, Schuppen, Dachböden)
Die Bestätigung erfolgt im Labor hauptsächlich durch:
- serologische Tests: Nachweis von Antikörpern (IgM, IgG) gegen Hantaviren im Blut, zum Beispiel mit ELISA, Immunblot oder Immunfluoreszenz
- PCR: In der frühen Krankheitsphase kann mit molekularbiologischen Methoden (Polymerase-Kettenreaktion) das Virusgenom direkt nachgewiesen werden.
In Deutschland ist die akute Hantavirus-Infektion meldepflichtig. Bestimmte spezialisierte Labore, zum Beispiel nationale Referenzzentren oder Konsiliarlabore, unterstützen bei der Diagnostik und Typisierung.
6. Wie wird eine Hantavirus-Erkrankung behandelt?
Eine gegen alle Hantaviren gezielte Standardtherapie mit antiviralen Medikamenten gibt es derzeit nicht. Die Behandlung ist daher vor allem unterstützend und richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung.
Typische Maßnahmen:
- Engmaschige Überwachung von Kreislauf, Nierenfunktion und Flüssigkeitshaushalt
- Schmerz- und Fiebersenkung
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (intravenös bei Bedarf)
- Bei schwerer Nierenschädigung: Dialyse
- Bei schweren Verläufen: Behandlung auf einer Intensivstation
Entscheidend ist eine frühe Diagnosestellung und die rasche stationäre Behandlung bei komplizierten Verläufen.
7. Gibt es einen Impfstoff gegen Hantaviren?
In einigen Ländern Asiens sind Impfstoffe gegen bestimmte Hantavirustypen (zum Beispiel gegen das Hantaan-Virus) zugelassen und werden insbesondere in Risikogruppen eingesetzt.
In Europa und Deutschland:
- gibt es keinen zugelassenen Impfstoff gegen Hantaviren.
Der wichtigste Schutz besteht derzeit in Verhaltensmaßnahmen, die den Kontakt mit infektiösem Nagerstaub minimieren.
8. Wie kann man sich vor Hantaviren schützen?
Ziel ist es, den Kontakt mit Nagern und deren Ausscheidungen zu vermeiden oder so sicher wie möglich zu gestalten.
Wichtige Schutzmaßnahmen:
Im und am Haus
- Nahrungsmittel und Tierfutter gut verschlossen aufbewahren.
- Müll so lagern, dass er keine Nager anzieht.
- Öffnungen im Haus (Ritzen, Spalten) möglichst nagertdicht verschließen.
- Nagerbefall frühzeitig erkennen und professionell bekämpfen lassen.
Beim Aufräumen und Reinigen (z. B. Keller, Dachboden, Schuppen, Jagdhütten)
- Räume vor dem Fegen oder Putzen gut lüften.
- Staubentwicklung vermeiden: Statt trocken zu fegen lieber vorsichtig feucht wischen.
- Einmalhandschuhe tragen, möglichst auch einen eng anliegenden Mund-Nasen-Schutz (z. B. FFP2), wenn mit stark verschmutzten Bereichen zu rechnen ist.
- Nagerkot und -nester nicht aufwirbeln, sondern vorsichtig mit feuchtem Papier aufnehmen und in einem verschlossenen Beutel entsorgen.
Im Freien
- Bei Aktivitäten in nagerreichen Gebieten (z. B. Holzarbeiten, Jagd, Arbeiten im Forst) auf Schutzhandschuhe achten.
- Zelte, Schlafplätze und Lebensmittel so wählen und lagern, dass Nager keinen leichten Zugang haben.
Allgemein gilt: Wenn nach Kontakt mit Nagern oder deren Habitat plötzlich Fieber und starke Schmerzen auftreten, sollten Betroffene ärztlichen Rat suchen und den möglichen Kontakt erwähnen.
9. Weiterführende Informationen
- WHO https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/hantavirus
- EDCD https://www.ecdc.europa.eu/en/hantavirus-infection
Robert Koch-Institut (RKI) – Hantavirus-Erkrankung
https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/H/Hantavirus/hantavirus-node.htmlrki
Kontakt
- Prof. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit
- Leitung Abteilung Arbovirologie und Entomologie
- Telefon: +49 171 212 7900, +49 40 285380 271
- E-Mail: schmidt-chanasit@bnitm.de
- BNITM Presse
- Telefon: +49 40 285380-264/269
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