Mehr als eine Million Euro für BNITM-Projekte zur Biosicherheit
Ob in Laboren oder im Feld: der verantwortungsvolle Umgang mit Krankheitserregern ist eine globale Aufgabe. Biologische Sicherheit (Biosafety) und Schutzmaßnahmen (Biosecurity) sind daher wichtige Bausteine für internationale Stabilität und Gesundheitsschutz. Die Laborgruppe um Prof. Dr. Petra Emmerich und anteilig die Arbeitsgruppe von Dr. Dániel Cadar am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) haben nochmals knapp 1,2 Millionen Euro vom Auswärtigen Amt für sicherheitsrelevante Projekte in der Ukraine, der Republik Moldau und auf dem Westbalkan erhalten. Ziel war es, die regionale Diagnostik von hochansteckenden Viren nachhaltig zu verbessern und die Fähigkeiten lokaler Laboratorien im Bereich Biosicherheit zu stärken.
Das Arbeitsprinzip der BNITM-Wissenschaftler:innen war in allen drei Ländern stets gleich: Gemeinsam mit Partnerlaboren vor Ort entwickelten sie serologische und molekulare Verfahren, mit denen sich hochpathogene Viren wie Krim-Kongo-Hämorrhagisches-Fieber-Virus (CCHFV), Hantaviren oder Mpox sicher nachweisen lassen. Gleichzeitig vermittelten sie praktisches Wissen zu Biosafety und Biosecurity. Dazu gehörten der sachgerechte Umgang mit infektiösem Probenmaterial, das sichere Arbeiten sowie der Schutz vor Missbrauch biologischer Agenzien im Labor, aber auch auf dem Transportweg vom Krankenhaus zum Labor.
Im Projekt Westbalkan etwa arbeiteten Institutionen aus Albanien, Kosovo, Nordmazedonien und Serbien eng zusammen. Im Sommer 2025 trafen sich die Partner:innen in Skopje, um Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam Labormethoden zu trainieren. Das Besondere: Alle vier Länder saßen dabei trotz teils schwieriger politischer Beziehungen an einem Tisch – vereint im Ziel, die Region besser gegen Missbrauch zu wappnen.


Auch in der Ukraine stand die Förderung der virologischen Diagnostik im Mittelpunkt. Neben Schulungen für Laborpersonal des Nationalen Gesundheitsinstituts in Kyjiw wurden auch Trainings für Krankenhauspersonal zu Biosicherheitsfragen durchgeführt. Die Kooperation mit den Regionallaboren in Charkiw, Odessa und Lwiw wurde gestärkt. Zudem wurden nachhaltige Strukturen für das Public-Health-Labor in Kyjiw und die dazugehörigen Regionallabore aufgebaut.
Beim Moldau-Projekt verfolgten die BNITM-Partner:innen ein ähnliches Ziel. Hier konzentrierten sie sich darauf, die Diagnostik gefährlicher Erreger wie Hantaviren oder CCHFV weiterzuentwickeln. Dazu boten sie gezielte Schulungen an und testeten gemeinsam neue Verfahren zur sicheren Labordiagnose. Erstmals wurde dort jetzt auch eine Seroprävalenzstudie durchgeführt, in der die Forschenden untersuchten, ob in der Bevölkerung Antikörper gegen hochpathogene Viren vorkommen – eine wichtige Datengrundlage, die bislang fehlte. Im Nachbarland Ukraine realisierten die Mitarbeitenden des BNITM bereits zwischen 2017 und 2024 eine vergleichbare Studie. Weitere Seroprävalenzstudien wurden in den letzten 2 Jahren auch in Albanien und Nordmazedonien durchgeführt.

Die Gesamtfördersumme der drei Projekte hatte das Auswärtige Amt zum Abschluss noch einmal rückwirkend aufgestockt. Sie beläuft sich jetzt auf rund 1,2 Millionen Euro für die Jahre 2024 und 2025.
Das Auswärtige Amt hat die Projekte umfassend betreut: durch Briefings der Länderreferate zur politischen Situation sowie durch die enge Abstimmung mit den deutschen Botschaften und den zuständigen Ministerien in den Partnerländern. „Die bestehenden politischen Differenzen innerhalb der Region waren im wissenschaftlichen Austausch kaum spürbar”, bilanziert Projektkoordinatorin Prof. Dr. Petra Emmerich. „Alle Beteiligten verfolgten konsequent das gemeinsame Ziel, die Biosicherheit in der Gesamtregion nachhaltig zu stärken. Die Erfolge, insbesondere die deutliche Reduzierung von CCHF-Virusinfektionen im Kosovo, sind Ergebnis des engen Zusammenspiels zwischen Ministerien, Laboren und Bevölkerung."

Der Projektpartner im Kosovo, Prof. Dr. vet. med. Kurtesh Sherifi von der University of Prishtina: „Das Biosicherheitsprogramm des Auswärtigen Amts war eines der effizientesten und bedeutendsten Projekte meiner bisherigen wissenschaftlichen Laufbahn. Es zeichnete sich durch intensive und engagierte Arbeit, hervorragende zwischenmenschliche Zusammenarbeit sowie durch messbare Erfolge aus – insbesondere den Rückgang der CCHFV-Fälle im Zeitraum von 2013 bis 2025. Im Namen der Republik Kosovo danken wir Ihnen herzlich!”
Die Leiterin der Virologie und stellvertretende Leiterin des Public Health Center of Ukraine (PHCU), Dr. Iryna Demchyshyna: „Die gemeinsamen vom Auswärtigen Amt geförderten Trainings haben unser Verständnis von Biosicherheit vertieft – ein entscheidender Aspekt im Umgang mit gefährlichen Krankheitserregern. Dank dieser Zusammenarbeit haben wir die Labordiagnostik in der Ukraine verbessert und moderne Arbeitsmethoden eingeführt. Wir sind sehr dankbar für diese langjährige und für beide Seiten vorteilhafte Partnerschaft.“

Hintergrund
Das Biosicherheitsprogramm des Auswärtigen Amts wurde 2013 ins Leben gerufen. Das BNITM beteiligte sich von Beginn an mit Vorhaben im Kosovo und ab 2016 in der Ukraine. Alle Projekte wurden von der Laborguppe „Entwicklung serologischer Testsysteme“ um Prof. Dr. Petra Emmerich koordiniert. Die Arbeitsgruppe um Dr. Dániel Cadar unterstützte durch Implementierung metagenomischer Überwachungsstrategien. Diese ermöglichen im Falle einer ‚Disease X' oder bioterroristischer Bedrohungen, auch neuartige Erreger schnell zu identifizieren. Über 4.200 Zeckenproben aus CCHFV-endemischen Regionen wurden mittels Next-Generation-Sequenzierung analysiert, um das Auftreten und die Verbreitung gefährlicher Viren frühzeitig zu erkennen.
Ansprechperson
Prof. Dr. Petra Emmerich
Laborgruppenleiterin
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E-Mail : emmerich@bnitm.de
Julia Rauner
Presse- & Öffentlichkeitsarbeit
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