Pressemitteilung

Kommunikation der US-Gesundheitsbehörde CDC unterminiert Vertrauen in Impfungen

Online-Studie mit knapp 3.000 Teilnehmenden aus den USA zeigt Steigerung der Impf- und Wissenschaftsskepsis

Es ist wissenschaftlicher Konsens, dass es keinen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus gibt. Die US-Gesundheitsbehörde CDC änderte jedoch ihre offizielle Kommunikation und betont stattdessen, dass ein Zusammenhang nicht ausgeschlossen werden könne. Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Universität Wien hat nun die Folgen untersucht. Demnach fördert die Formulierung der CDC direkt Impfzurückhaltung und Misstrauen. Die Ergebnisse sind im renommierten Fachmagazin Science erschienen.

Foto einer Person mit Mund-Nasenschutz und blauen Laborhandschuhen und einer Impfampulle in der Hand
©Adobe Stock | motortion

Die Kommunikation von Gesundheitsbehörden kann großen Einfluss auf die öffentliche Meinung haben. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte im November 2025, dass die US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) auf ihrer Website unter Druck der Trump-Regierung die offizielle Kommunikation zu Impfungen und Autismus änderte. Dabei werden angebliche Unsicherheiten zum aktuellen Forschungsstand in den Vordergrund gestellt und weitere Untersuchungen zu dem behaupteten Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus gefordert. Zuvor vermittelte die CDC den wissenschaftlichen Konsens, dass Impfungen weder ursächlich noch statistisch mit Autismus zusammenhängen. Die Folgen dieser geänderten Kommunikation hat ein internationales Forschungsteam aus Wien, Erfurt, Hamburg und Kopenhagen unter Leitung des Psychologen Robert Böhm von der Universität Wien untersucht. Cornelia Betsch von Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) und Universität Erfurt ist Co-Autorin.

Screenshot der offiziellen Kommunikation der CDC zu Impfungen und Autismus
Screenshot der offiziellen Kommunikation der CDC zu Impfungen und Autismus   ©CDC

Die Ergebnisse sind klar: Wer die veränderte Mitteilung liest, ist danach weniger bereit, sich impfen zu lassen. Generell vertrauten die Studienteilnehmenden hinterher der Gesundheitsbehörde weniger und befürworteten stärker wissenschaftsfeindliche Denkweisen. Die gesellschaftlichen Folgen einer solchen Kommunikation sind also vielfältig; die Forschenden plädieren für neue Richtlinien, die eine sorgfältige und evidenzbasierte Kommunikation von Gesundheitsbehörden sicherstellen. 

Knapp 3.000 US-Bürger:innen nahmen an Studie teil 

In einer groß angelegten Online-Studie mit 2.989 Erwachsenen in den USA untersuchten die Autor:innen, wie sich die veränderte Kommunikationsstrategie der US-Gesundheitsbehörde CDC auf die Wahrnehmung von Impfungen und auf die Impfbereitschaft auswirkt. In einem Experiment wurden die Teilnehmenden verschiedenen Gruppen zugeteilt und bekamen unterschiedliche Versionen der CDC-Website zu lesen. Ein Teil der Teilnehmenden las die frühere Version der CDC-Mitteilung, in der der wissenschaftliche Konsens klar benannt wurde: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus. Eine andere Gruppe erhielt die neu eingeführte Version, die Unsicherheit hinsichtlich eines möglichen Zusammenhangs von Impfungen und Autismus betont. Eine dritte Gruppe erhielt keine entsprechende Mitteilung.

Zweifel steigen, Impfabsicht sinkt

Die Ergebnisse waren eindeutig: Wer die abgeänderte Information las, hielt Nebenwirkungen von Impfungen für wahrscheinlicher, hatte mehr Bedenken hinsichtlich der Impfsicherheit und zeigte eine geringere Bereitschaft, sich impfen zu lassen. „Unsere Studie zeigt, dass die Art der Kommunikation selbst ein Risikofaktor sein kann“, fasst die Psychologin Alina Schneider von der Universität Wien die Ergebnisse zusammen. 

„Es geht nicht darum, wissenschaftliche Unsicherheit grundsätzlich zu verschweigen. Entscheidend ist, dass sie passend zur tatsächlichen Evidenz kommuniziert wird – besonders bei Themen, zu denen es bereits einen breiten wissenschaftlichen Konsens gibt“, ergänzt Prof. Cornelia Betsch von der Universität Erfurt und dem BNITM in Hamburg.

Foto von Cornelia Betsch vor einer Graffiti-Backsteinwand. Sie trägt ein dunkelblaues Kostüm, schulterlange dunkelbraune Haare, eine markante dunkel umrahmte Brille und blickt freundlich in die Kamera.
Prof. Dr. Cornelia Betsch   ©Enver Hirsch

Eine sinkende Impfbereitschaft ist nicht folgenlos für die öffentliche Gesundheit. „Selbst ein moderater, aber anhaltender Rückgang der Impfquote könnte zu mehr vermeidbaren Erkrankungen, höherer Belastung des Gesundheitssystems und steigenden gesellschaftlichen Kosten führen“, so Prof. Lau Lilleholt von der Universität Kopenhagen

Auswirkungen reichen über das Impfthema hinaus

Solche Kommunikationsverschiebungen können jedoch noch breitere gesellschaftliche Folgen haben. Die Mitteilung verringerte zudem das Vertrauen der Studienteilnehmenden in die Gesundheitsbehörde CDC. Zugleich stieg die Zustimmung zu typischen Strategien der Wissenschaftsleugnung – also zu Denkweisen, die Desinformation begünstigen, etwa durch selektives Zitieren von Studien, unrealistische Beweisforderungen oder verschwörungsnahes Denken. 

Hohe Relevanz für Gesundheitskommunikation

Das Fazit ist klar: Änderungen in der Gesundheitskommunikation sind keine bloßen Formalien, sondern können reale Auswirkungen auf Vertrauen, Einstellungen und Verhalten haben. Die Autor:innen empfehlen deshalb, wichtige Änderungen in Gesundheitsbotschaften transparent zu dokumentieren, sorgfältig an der Evidenz auszurichten und – wenn möglich – vorab zu prüfen, wie sie in der Bevölkerung verstanden werden. 

„Wenn Unsicherheit kommuniziert wird, sollte dies immer zusammen mit einer klaren Einordnung in den gesamten Forschungsstand und einer eindeutigen Handlungsempfehlung geschehen“, fordert Studienleiter Prof. Robert Böhm. Die aktuelle Kommunikation würde jedoch vor allem unberechtigte Zweifel säen und das Vertrauen in die Gesundheitsbehörde beschädigen, so die Studienautor:innen.

Über die Universität Wien

Die Universität Wien setzt seit über 650 Jahren Maßstäbe in Bildung, Forschung und Innovation. Heute ist sie unter den Top 100 und damit den Top 4 Prozent aller Universitäten weltweit gerankt sowie in aller Welt vernetzt. Mit über 180 Studien und mehr als 10.000 Mitarbeitenden ist sie einer der größten Wissenschaftsstandorte Europas. Hier treffen Menschen aus unterschiedlichsten Disziplinen zusammen, um Spitzenforschung zu betreiben und Lösungen für aktuelle und künftige Herausforderungen zu finden. Ihre Studierenden und Absolvent:innen gehen mit Innovationsgeist und Neugierde komplexe Herausforderungen mit reflektierten und nachhaltigen Lösungsansätzen an.

Über den Forschungsverbund Gesundheit in Gesellschaft an der Universität Wien

Robert Böhm ist Professor an der Uni Wien und Co-Leiter des Forschungsverbunds Gesundheit in Gesellschaft. Der Forschungsverbund wurde 2024 an der Universität Wien gegründet. Er verbindet Wissenschaftler:innen unterschiedlicher Disziplinen, um gemeinsam Gesundheit, Medizin und Wohlbefinden zu erforschen. Die Mitglieder bringen den spezifischen Blickwinkel ihres jeweiligen Fachgebietes ein und berücksichtigen dabei auch lokale, regionale und globale Zusammenhänge. 

Durch diese ganzheitliche Betrachtungsweise entstehen nicht nur neue wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern auch wertvolle Partnerschaften mit anderen Forschungseinrichtungen sowie mit Akteur:innen aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft. Der Forschungsverbund schafft Synergien und ermöglicht Wissenschaft, die gesellschaftlich wirksam wird – interdisziplinär, innovativ und kooperativ.

Über das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) ist Deutschlands größte Einrichtung für Forschung, Versorgung und Lehre auf dem Gebiet tropentypischer und neu auftretender Infektionskrankheiten. Aktuelle thematische Schwerpunkte bilden Malaria, hämorrhagische Fieberviren, vernachlässigte Tropenerkrankungen (NTDs), Immunologie, Epidemiologie, Implementation und die Klinik tropischer Infektionen sowie die Mechanismen der Übertragung von Viren durch Stechmücken. Für den Umgang mit hochpathogenen Viren und infizierten Insekten verfügt das Institut über Laboratorien der höchsten biologischen Sicherheitsstufe (BSL4) und ein Sicherheits-Insektarium (BSL3). Neu eingerichtet wurde gerade das Data Science Center.

Originalpublikation

Böhm, R., Schneider, A., Betsch, C. & Lilleholt, L. (2026) CDC communication undermines trust in vaccines. Science. DOI LINK

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