Mitteilung

Wie Viren aus der Tierwelt zum Menschen gelangen können

BNITM und PUCE bündeln One-Health-Virusforschung in Ecuador

Welche Viren könnten möglicherweise als nächstes von Tieren auf Menschen überspringen? Das untersuchen Forschende des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) und der Pontificia Universidad Católica del Ecuador (PUCE/CISeAL) unter anderem im ecuadorianischen Regenwald. Jetzt haben beide Partner eine gemeinsame Virologie-Einheit in Quito eingerichtet. Sie verbindet moderne Methoden der Erregerforschung mit einer interdisziplinären One-Health-Perspektive. Gleichzeitig eröffnet sie neue Möglichkeiten für Forschung, Ausbildung und langfristig auch für die öffentliche Gesundheitsvorsorge in Ecuador.

Das Foto zeigt zwei Forschende in Ganzkörper-Laboranzügen auf dem Waldboden hocken und etwas untersuchen.
©Gerardo Nuñez

Welche Viren leben in Affen, Fledermäusen oder Nagetieren und könnten möglicherweise eines Tages Menschen infizieren? Dieser Frage gehen die Forschenden in tropischen und subtropischen Gebieten Ecuadors nach. Darunter sind abgelegene Regenwälder, in denen indigene Gemeinschaften leben. Die Wissenschaftler:innen erforschen, wie Klimawandel, Abholzung, veränderte Landnutzung und zunehmende Kontakte zwischen Menschen und Wildtieren die Zirkulation und mögliche Übertragung von Krankheitserregern beeinflussen.

Von der Wildtierökologie zur One-Health-Forschung

Solche Zusammenhänge lassen sich nur fachübergreifend erforschen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verbinden daher Feldforschung und lokales ökologisches und indigene Wissen mit modernen Methoden der Virusmetagenomik, Hochdurchsatzsequenzierung und bioinformatischen Analyse. Ergänzend nutzen sie museomische Ansätze. Dabei vergleicht man historische Museumspräparate mit heutigen Proben, um Veränderungen von Wirten und ihren Krankheitserregern über längere Zeiträume besser nachvollziehen zu können.

Die Partnerschaft ist aus gemeinsamen Untersuchungen zu Wildtieren und biologischer Vielfalt hervorgegangen. Seit rund sieben Jahren arbeiten Forschende des BNITM und der PUCE/CISeAL eng an der Schnittstelle von Ökologie, Museomik, Virologie und Genomik zusammen. Aus dieser gewachsenen Kooperation entstand die Idee, die gemeinsamen Forschungsaktivitäten in einer Virologie-Einheit in Quito weiter zu bündeln.

Die Gründung der gemeinsamen Virologie-Einheit in Quito geht auf eine Initiative von Dr. Dániel Cadar zurück. Er ist Leiter der Arbeitssgruppe Virus Metagenomik und Evolution am BNITM. Gemeinsam mit seinen ecuadorianischen Partnern hat er die Einrichtung der Einheit vorangetrieben und übernimmt ihre wissenschaftliche Leitung und Koordination. Die neue Einheit gibt der langjährigen Zusammenarbeit einen festen Rahmen und bündelt die gemeinsamen Kompetenzen in Virologie, Virusgenomik und Feldforschung. Gleichzeitig schafft sie neue Möglichkeiten für Forschung, Ausbildung, Wissenstransfer und wissenschaftlichen Austausch.

Das Foto zeigt zwei Forschende in Ganzkörper-Laboranzügen im Regenwald stehen.
Auf Virensuche im Regenwald   ©Gerardo Nuñez
Dr. Dániel Cadar: ein Forscher, der ein blau-weiß kariertes Hemd trägt und eine Glatze hat.
Dr. Dániel Cadar   ©BNITM | Dino Schachten

„Die neue Virologie-Einheit ist für uns ein wichtiger Meilenstein in einer Zusammenarbeit, die wir über viele Jahre gemeinsam mit unseren ecuadorianischen Kolleginnen und Kollegen aufgebaut haben“, sagt Dr. Dániel Cadar. „Unser Ziel ist es, moderne genomische und virologische Technologien auch direkt vor Ort zugänglich zu machen, Forschungskapazitäten langfristig zu stärken und gemeinsam besser zu verstehen, wie Viren in natürlichen Ökosystemen zirkulieren, sich verändern und unter welchen Bedingungen sie auf den Menschen übergehen können.“

Neue gemeinsame Forschungsansätze zur Chagas-Krankheit

Mit dem “Centro para la Investigación en Salud en América Latina” (CISeAL) der PUCE haben die Forschenden ihre Zusammenarbeit auch auf die Chagas-Krankheit ausgeweitet. Das Team untersucht die Virusgemeinschaft in Raubwanzen, die den Parasiten Trypanosoma cruzi übertragen können. Zudem analysiert es die genetische Vielfalt des Parasiten.

Ein weiteres gemeinsames Ergebnis ist eine modulare, transportable Metagenomik-Plattform. Sie wurde von beiden Partnern entwickelt und validiert und kann je nach Forschungsfrage im Labor oder nahe am Ort der Probenahme eingesetzt werden.

„Die Zusammenarbeit mit der PUCE ist ein großer Gewinn: Wir ergänzen unsere wissenschaftlichen Stärken und entwickeln die Forschung in Ecuador gemeinsam weiter," übermittelte der BNITM-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Jürgen May anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des CISeAL. „Krankheitsausbrüche wie der aktuelle Bundibugyo-Ebola-Ausbruch in Ostafrika zeigen, wie wichtig es ist, Infektionsrisiken frühzeitig zu erkennen und zu verstehen – überall auf der Welt."

Porträtfoto von Prof. Dr. Jürgen May, eines erfahrenen freundlich blickenden Forschers
Prof. Dr. Jürgen May   ©BNITM | Dino Schachten

Langfristig möchten die Partner Forschung und öffentliche Gesundheit enger verbinden. Gemeinsam mit nationalen Forschungseinrichtungen und Gesundheitsbehörden könnten sie Infektionskrankheiten besser überwachen, neue Risiken bewerten und die Vorbereitung auf mögliche Ausbrüche stärken. Das BNITM bringt dafür Erfahrungen aus der Verbindung von Forschung, Referenzdiagnostik und öffentlichem Gesundheitswesen ein.

 

Gruppenfoto vor ecuadorianischer Fahne und PUCE-Banner
Institutionenübergreifendes Team   ©Gábor Endre Tóth

Ansprechperson

Dr. Dániel Cadar

Leiter der AG Virus Metagenomik und Evolution

Telefon : +49 40 285380-840

Fax : +49 40 285380-400

E-Mail : cadar@bnitm.de

Julia Rauner

Presse- & Öffentlichkeitsarbeit

Telefon : +49 40 285380-264

E-Mail : presse@bnitm.de