Mitteilung

Kinder nach schwerer Malaria:

KCCR testet Impfung zusätzlich zu vorbeugenden Medikamenten

Nach einer schweren Malaria droht Kindern in Endemiegebieten oft eine erneute Infektion mit schwerem Verlauf. Das vom BNITM mitbetriebene Kumasi Centre for Collaborative Research in Tropical Medicine (KCCR) hat deshalb gemeinsam mit Partnern ein Forschungsprojekt gestartet, das vorbeugende Medikamente mit einer Malariaimpfung kombiniert.

Foto des Publikums beim Projektlaunch
©KCCR | Wisdom Wemegah

In Ghana erkranken Kinder häufig an Malaria; viele von ihnen erleiden einen schweren Verlauf mit Blutarmut und müssen ins Krankenhaus. Ihre Entlassung bedeutet nicht das Ende der Gefahr: In den Wochen und Monaten danach infizieren sich viele erneut, und einige sterben. Eine Chemoprophylaxe, die sogenannte Post-Discharge Malaria Chemoprevention (PDMC), reduziert die Zahl der Wiederaufnahmen ins Krankenhaus und der Todesfälle. Sie besteht aus einer monatlichen Behandlung mit Dihydroartemisinin-Piperaquin über drei Monate. Der Schutz hält jedoch nur so lange an, wie die Medikamente eingenommen werden. Nach Ende der Behandlung kehrt das Risiko zurück.

An Säuglinge wird im Rahmen des routinemäßigen Impfprogramms der Malaria-Impfstoff R21/Matrix-M™ verabreicht. Ältere Kinder, die nach einer schweren Erkrankung entlassen werden, haben keinen strukturierten Zugang zu dieser Impfung.

Das Forschungsprojekt PDMCVac verbindet beide Ansätze. Das Medikament schützt die Kinder in den verletzlichsten Wochen nach der Entlassung. Der Impfstoff, der zeitgleich verabreicht wird, soll eine Immunität aufbauen, die über die Dauer der Chemoprävention hinaus anhält. Bisher wurde nicht untersucht, ob Kinder, die sich von einer schweren Erkrankung erholen, eine gute Immunantwort auf die Impfung entwickeln. Ebenso ist unklar, ob die gleichzeitige Gabe von PDMC und Impfstoff sicher ist.

Die Studie

PDMCVac ist eine randomisierte klinische Studie der Phase IIb mit offenem Design für Kinder im Alter von 6 bis 60 Monaten. Forschende nehmen 150 Kinder am St. Francis Xavier Hospital in Assin Foso in der Zentralregion auf. Sie teilen Kinder nach schwerer Malaria oder schwerer Anämie zufällig einer von zwei Gruppen zu: Die eine erhält PDMC mit Impfstoff, die andere PDMC ohne Impfstoff. Gesunde Kinder aus der Gemeinde bilden eine Referenzgruppe und erhalten den Impfstoff. Vor allem untersucht die Studie, ob Kinder nach schwerer Erkrankung eine gute Antikörperantwort auf die Impfung entwickeln. Außerdem prüft sie, ob die gleichzeitige Gabe von Impfstoff und PDMC verträglich ist. Zusätzlich untersucht sie, wie lange die Antikörperantwort anhält und wie sich der Hämoglobinwert erholt. Sie erfasst Malaria, Wiederaufnahmen und Todesfälle in den 15 Monaten nach der Entlassung.

Forschungskapazitäten aufbauen

PDMCVac verfolgt neben den wissenschaftlichen Zielen auch den Aufbau von Forschungskapazitäten und die Ausbildung von Fachkräften in Ghana. Vom 12. bis 15. Oktober 2026 fand am KCCR der Basic Vaccinology Course statt. Die Dozentinnen und Dozenten kamen aus Ghana, Deutschland, Großbritannien und Kenia.

Partner und Finanzierung

PDMCVac leiten das KCCR und das BNITM gemeinsam. Das St. Francis Xavier Hospital in Assin Foso führt die Studie durch. Am Projekt beteiligt sind außerdem das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und das Jenner Institute der University of Oxford. Das PharmaVax-Ghana-Programm fördert das Projekt. Die Europäische Union und die deutsche Entwicklungszusammenarbeit kofinanzieren es im Rahmen der Team-Europe-Initiative MAV+ gemeinsam mit der Regierung von Ghana. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) setzt das Projekt gemeinsam mit den Partnern um. Die Ergebnisse können künftige Maßnahmen zur Malariaprävention in Ghana und darüber hinaus unterstützen.

Der Projektstart ist ein wichtiger Schritt, um die gemeinsame Forschung zur integrierten Malariaprävention voranzubringen. Über das PDMCVac-Projekt und die begleitende Schulung treibt die Infectious Disease Epidemiology and Research Group (IDERG) von KCCR und BNITM die wissenschaftliche Zusammenarbeit weiter voran. Sie stärkt damit das Wissen in Impfstoffforschung, klinischen Studien und Public Health.

Gruppenfoto beim Projektlaunch
Partner beim Projektlaunch   ©KCCR | Wisdom Wemegah

Über das Kumasi Centre for Collaborative Research in Tropical Medicine (KCCR)

Das KCCR ist ein Joint Venture von Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST), ghanaischem Gesundheitsministeriums und BNITM. Es basiert auf einem 1997 geschlossenen Staatsvertrag mit der Freien und Hansestadt Hamburg. Das BNITM trägt die Grundfinanzierung und ist mit mehreren gemeinsamen Forschungsgruppen vor Ort vertreten. Zudem bringt es sich über den Beirat in die strategische Ausrichtung ein. Wichtige Infrastruktur, darunter Gebäude und Labore, wurde mit Unterstützung der VolkswagenStiftung, der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GiZ) GmbH und des Global Health Protection Programme (GHPP) aufgebaut. Das KCCR hat in den letzten zehn Jahren Forschungsförderung von mindestens 50 Fördereinrichtungen erhalten.

Über das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM)

Das BNITM ist Deutschlands größte Einrichtung für Forschung, Versorgung und Lehre auf dem Gebiet tropentypischer und neu auftretender Infektionskrankheiten. Aktuelle thematische Schwerpunkte bilden Malaria, hämorrhagische Fieberviren, vernachlässigte Tropenerkrankungen (NTDs), Immunologie, Epidemiologie und die Klinik tropischer Infektionen, Implementation sowie die Mechanismen der Übertragung von Viren durch Stechmücken. Für den Umgang mit hochpathogenen Viren und infizierten Insekten verfügt das Institut über Laboratorien der höchsten biologischen Sicherheitsstufe (BSL4) und ein Sicherheits-Insektarium (BSL3). Neu eingerichtet wurde das Data Science Center. In zahlreichen Ländern des Globalen Südens unterstützt das BNITM beim Aufbau von (mobilen) Laborkapazitäten.

Ansprechperson

Prof. Dr. Jürgen May

Head of Dept Infectious Diseases Epidemiology

Telefon : +49 40 285380-402

E-Mail : chair@bnitm.de

Dr. Oumou Maïga-Ascofaré

Co-Investigator

Telefon : +233 32 206 0351

E-Mail : maiga@bnitm.de

Wisdom Wemegah

KCCR Media Officer

Telefon : +233548952060 / +233201253427

E-Mail : press@kccr.de

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