Wenn Parasiten Viren ausbremsen: VdF Promotionspreis für Dr. Jana Hey
Neue Hinweise aus Madagaskar zur Wechselwirkung von Schistosomiasis und Dengue
Dr. Jana Hey vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) hat den Promotionspreis der Vereinigung der Freunde des Tropeninstituts Hamburg e.V. (VdF) erhalten. In ihrer Promotion untersuchte sie, warum in Madagaskar trotz günstiger Bedingungen nur wenige Dengue-Fälle auftreten und welche Rolle die Wurmerkrankung Schistosomiasis dabei spielen könnte. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert.

Madagaskar bietet eigentlich beste Voraussetzungen für Dengue: Das Klima passt, und das Virus sowie der Überträger, Stechmücken der Gattung Aedes, kommen vor. Trotzdem taucht Dengue dort deutlich seltener in den Meldedaten auf als erwartet. Gleichzeitig gehört Schistosomiasis, eine parasitäre Wurmerkrankung, in Madagaskar zu den häufigsten vernachlässigten Tropenkrankheiten: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist betroffen. Genau diese auffällige Kombination brachte Dr. Jana Hey aus der Arbeitsgruppe Implementationsforschung auf die Forschungsfrage ihrer Promotion: Beeinflussen Schistosoma-Infektionen das Vorkommen von Dengue-Virusinfektionen? Um ihre Frage zu beantworten, kombinierte sie epidemiologische Auswertungen mit Laboruntersuchungen.

Ihre Ergebnisse zeigen: In den untersuchten Regionen Madagaskars fanden sich nur bei wenigen Menschen Hinweise darauf, dass sie schon einmal mit dem Dengue-Virus in Kontakt gekommen waren (bis zu 3,3 Prozent). Im Labor beobachtete Dr. Hey: Blutserum von Menschen mit Schistosomiasis, besonders von Personen mit der schweren chronischen Form, kann Dengue-Virusinfektionen in Zellkultur messbar senken. Dieses Ergebnis könnte darauf hindeuten, dass Schistosomiasis vor Dengue-Fieber schützt.
Wie es genau zu dem Effekt kommt, ist mit diesen Daten noch nicht geklärt. Dr. Hey ging deshalb der Frage nach, welche Veränderungen im Immunsystem dabei eine Rolle spielen könnten. Sie analysierte unter anderem entzündungssteuernde Botenstoffe (Zytokine) und IgE (Immunglobulin E) – das sind Antikörper, die der Körper vor allem bei Allergien und bei Abwehrreaktionen gegen Parasiten bildet.
Außerdem untersuchte sie Immunzellen aus Blutproben von Menschen mit Schistosomiasis genauer. Dafür nutzte sie auch moderne Verfahren wie die Einzelzell-RNA-Sequenzierung. Damit lässt sich gewissermaßen Zelle für Zelle ablesen, welche Gene in einer Immunzelle gerade aktiv sind. Besonders von Interesse waren für Dr. Hey Gene der antiviralen Immunantwort.
Ihre Arbeit zeigt, warum Koinfektionen mehr Aufmerksamkeit verdienen: In Regionen, in denen mehrere Erreger gleichzeitig verbreitet sind, beeinflussen sie sich möglicherweise gegenseitig. Das kann Auswirkungen auf Risiko, Krankheitslast und Prävention haben.
Die Promotionspreise der VdF werden jährlich vergeben, um herausragende Leistungen anzuerkennen und den wissenschaftlichen Nachwuchs am BNITM zu fördern.

Originalpublikation:
Hey J. et al. An exploratory study to assess the influence of schistosomiasis on the occurrence of dengue virus in Madagascar. Infectious Diseases of Poverty 2025. DOI: doi.org/10.1186/s40249-025-01370-0
Ansprechperson
Dr. Jana Hey
Arbeitsgruppe Implementationsforschung
E-Mail : jana.hey@bnitm.de
Dr. Anna Hein
Presse- & Öffentlichkeitsarbeit
Telefon : +49 40 285380-269
E-Mail : presse@bnitm.de
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