Mobile Labore der Ostafrikanischen Gemeinschaft im Einsatz gegen Bundibugyo-Ebola
BNITM: Langjährig aufgebautes Netzwerk unterstützt schnelle Diagnostik an den Grenzen zur Demokratischen Republik (DR) Kongo
Die Ostafrikanische Gemeinschaft (East African Community) hat ihr Netzwerk mobiler Labore aktiviert (EAC Mobile Labs). Die acht Partnerländer bauen derzeit alle neun Labore an Grenzorten zur DR Kongo auf, einige sind schon seit Beginn des Ebolafieber-Ausbruchs im Einsatz. Die Teams testen auf Bundibugyo-Virus, mit fachlicher Unterstützung des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM).

Die EAC und ihre nationalen Partner betreiben aktuell neun mobile und mehrere stationäre Labore entlang wichtiger Grenzregionen zur Demokratischen Republik (DR) Kongo. Sie testen Verdachtsfälle im Zusammenhang mit dem Bundibugyo-Virus-Ausbruch rasch vor Ort und überwachen das Infektionsgeschehen. Seit mehr als zehn Jahren unterstützt das BNITM gemeinsam mit dem Bundesentwicklungsministerium (BMZ) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) die Partner in Ostafrika beim Aufbau und der Weiterentwicklung dieses mobilen Labornetzwerks.
Mobile Labore im Ernstfall: Das Netzwerk bewährt sich
Im Zuge des jüngsten Ausbruchs des Bundibugyo-Virus in der DR Kongo hat die Ostafrikanische Gemeinschaft gemeinsam mit ihren nationalen Partnern das regionale Netz mobiler Labore aktiviert. Ziel ist es, Diagnostik und Monitoring möglichst nah dort anzubieten, wo Verdachtsfälle auftreten – insbesondere an stark frequentierten Grenzorten.
Mobile und stationäre Labore wurden unter anderem an folgenden Standorten in Betrieb genommen:
- Bwera und Arua in Uganda
- Gisenyi und Gihundwe in Ruanda
- Bukoba in Tansania
- Kobero in Burundi
- Beni in der DR Kongo
- Nimule in Südsudan
Die Labore arbeiten eng mit den nationalen Public-Health-Instituten und dem EAC Centre of Excellence for Viral Infections zusammen.
Die Einsatzteams stammen aus den beteiligten Ländern: Laborleiter:innen und Fachpersonal wurden in den vergangenen Jahren im Rahmen des EAC Mobile Labs Network umfassend geschult und bilden heute den Kern der mobilen Diagnostik-Kapazitäten in der Region.




„Dies ist genau die Situation, für die das mobile Labornetzwerk der Ostafrikanischen Gemeinschaft aufgebaut worden ist und für die wir unsere Kolleginnen und Kollegen trainiert haben: Verdachtsfälle schnell vor Ort testen, Infektionsketten nachvollziehen und unterbrechen und so wertvolle Zeit im Ausbruchsmanagement gewinnen“, sagen Dr. Muna Affara und Dr. Florian Gehre vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). „Die EAC Mobile Labs leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Epidemievorbereitung und helfen, Gesundheitssysteme in der Region widerstandsfähiger zu machen.“
Schnelle Diagnostik an den Grenzen unterstützt die Region
Ebolavirus-Ausbrüche stellen betroffene Länder und ihre Gesundheitssysteme vor große Herausforderungen. Eine frühe, zuverlässige Diagnostik ist entscheidend, um Infizierte rasch zu identifizieren, Kontakte zu verfolgen und Schutzmaßnahmen einzuleiten.
Grenzregionen spielen dabei eine zentrale Rolle. Hier kreuzen sich Handelswege, Pendlerströme und Fluchtbewegungen – Infektionen können sich schnell über Landesgrenzen hinweg ausbreiten. Stationäre Referenzlabore liegen häufig weit entfernt, Probentransporte kosten Zeit und binden Ressourcen.
Durch die mobilen Labore der EAC können Proben direkt vor Ort getestet werden. Das verkürzt die Zeit bis zum Ergebnis und stärkt die regionale Handlungsfähigkeit. Gleichzeitig ermöglichen die Labore eine engmaschige Überwachung des Geschehens: Verdachtsfälle können systematisch getestet, Daten rasch weitergegeben und Entscheidungsträger:innen zeitnah informiert werden.
Hintergrund: Das Bundibugyo-Virus
Das Bundibugyo-Virus gehört zur Gattung der Ebolaviren und kann schwere hämorrhagische Fieber auslösen. Ausbrüche traten in der Vergangenheit unter anderem in Uganda und der DR Kongo auf. Typisch sind plötzlich einsetzendes Fieber, starke Schwäche, Kopf- und Muskelschmerzen, gefolgt von Erbrechen, Durchfall und in schweren Fällen Blutungen. Die Sterblichkeit liegt je nach Ausbruch und Versorgungsstruktur laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei 30 bis 50 Prozent.

Zehn Jahre Aufbauarbeit zahlen sich aus: EAC Mobile Labs und Rolle des BNITM
Ziel des EAC Mobile Lab Network ist, im Sinne eines One-Health-Ansatzes flexible Laborstrukturen zu schaffen, die bei Ausbrüchen hochpathogener Erreger – etwa Ebola-Viren – schnell und nahe am Geschehen eingesetzt werden können. Zum Aufbau gehörten unter anderem:
- Konzeption und Aufbau mobiler Laborstrukturen
- Intensive Schulungen in Diagnostik, Biosicherheit und Qualitätsmanagement
- Train-the-Trainer-Programme, um nationale Ausbildungskapazitäten zu stärken
- Gemeinsame Entwicklung und Evaluierung von Diagnostik-Kits
- Unterstützung beim Aufbau von Qualitätssicherungsprogrammen
Im aktuellen Bundibugyo-Virus-Ausbruch unterstützt das BNITM die Partnerlabore vor allem bei der Validierung von Tests und der differenzialdiagnostischen Abklärung. Diagnostik-Kits für rund 1.000 Proben sind bereits in der Region verfügbar, zusätzliche Materialien können je nach Bedarf nachgeliefert werden.

Ergänzend zu den EAC Mobile Labs kommt in Tansania auch der im EU-Forschungsprojekt MOBILISE entwickelte Hochsicherheitstruck zum Einsatz. Das mobile Labor unter Leitung des BNITM und acht europäischer Partner ist darauf ausgelegt, Zoonosen, also Infektionskrankheiten, die zwischen Tieren und Menschen übertragen werden, direkt vor Ort zu untersuchen und schneller nachweisen zu können. Nun wird es gemeinsam mit dem tansanischen National Public Health Laboratory in die regionale EAC-Reaktion eingebunden.
Weitere Einsätze und langfristige Stärkung der Laborkapazitäten
In den kommenden Wochen wird das EAC Mobile Labs Network weiter an die Bedürfnisse der Partnerländer im aktuellen Ausbruchsgeschehen angepasst. Geplant sind unter anderem:
- weitere Einsätze an stark frequentierten Grenzorten, zum Beispiel in Südsudan und der DR Kongo,
- die fortlaufende Schulung und Supervision der Laborteams während des Einsatzes,
- die Auswertung von Einsatzdaten, um Abläufe weiter zu optimieren und Lehren für künftige Ausbrüche zu ziehen.
Parallel dazu arbeitet das BNITM gemeinsam mit den Partnern an der Weiterentwicklung der diagnostischen Verfahren und an standardisierten Qualitätssicherungsmaßnahmen.
Über das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM)
Das BNITM ist Deutschlands größte Einrichtung für Forschung, Versorgung und Lehre auf dem Gebiet tropentypischer und neu auftretender Infektionskrankheiten. Es ist Nationales Referenzzentrum für tropische Infektionserreger, WHO-Kooperationszentrum für Arboviren und hämorrhagische Fieberviren, WHO-Kooperationszentrum für Verhaltensforschung zur Förderung Globaler Gesundheit und Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.
Ansprechperson
Dr. Muna Affara
Abteilung Infektionsepidemiologie
E-Mail : affara@bnitm.de
Dr. Florian Gehre
Abteilung Infektionsepidemiologie
E-Mail : gehre@bnitm.de
Julia Rauner
Presse- & Öffentlichkeitsarbeit
Telefon : +49 40 285380-264
E-Mail : presse@bnitm.de
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