Vorschulkinder erreichen und Schistosomiasis behandeln: Eine Studie aus Madagaskar zeigt einen praktikablen Weg
Kinder können sich schon lange vor dem Schuleintritt mit Schistosomiasis infizieren, dennoch konzentrieren sich Behandlungsprogramme oft auf Kinder im schulpflichtigen Alter. Die Krankheit wird durch parasitäre Würmer verursacht, deren Larven beim Kontakt mit befallenem Süßwasser in die Haut eindringen. Unbehandelt kann sie Organe schädigen und das Wachstum sowie die Entwicklung der Kinder beeinträchtigen. Eine Studie von Forschenden des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) und Partnern in Madagaskar zeigt einen praktikablen Weg auf, wie jüngere Kinder über bestehende Gesundheitsdienste erreicht werden können. Die Ergebnisse erschienen im Bulletin of the World Health Organization.

Erwachsene können sich mit Schistosoma-Parasiten infizieren, wenn sie beim Angeln, bei der Landwirtschaft, beim Wäschewaschen oder beim Schwimmen mit befallenem Süßwasser in Kontakt kommen. Auch sehr kleine Kinder können den Parasiten bei alltäglichen Aktivitäten wie dem Baden ausgesetzt sein. Die Eier der Würmer können sich im Gewebe festsetzen, Entzündungen auslösen und Organe nach und nach schädigen. Bei Kindern kann die Erkrankung zu Blutarmut führen, das Wachstum beeinträchtigen und die Lernfähigkeit mindern. In Madagaskar wird das Medikament Praziquantel im Rahmen von Behandlungsprogrammen gegen Schistosomiasis hauptsächlich über Schulen verteilt, wodurch jüngere Kinder nicht erreicht werden. Ein frühzeitiger Behandlungsbeginn und gegebenenfalls wiederholte Behandlungen können dazu beitragen, die Entwicklung schwerer Krankheitsverläufe zu verhindern.
„Wenn man wartet, bis die Kinder in die Schule kommen, kann das bedeuten, dass Infektionen in entscheidenden Jahren des Wachstums und der Entwicklung unbehandelt bleiben“, sagt Erstautorin Valentina Marchese, ehemaliges Mitglied der Arbeitsgruppe Implementationsforschung am BNITM. „Wir wollten herausfinden, wie das Gesundheitswesen diese Kinder früher mit einem bereits verfügbaren Medikament erreichen könnte.“

Ein bekanntes Medikament, ein neuer Weg zu den jüngsten Kindern
Die Studie befasst sich mit einer praktischen Frage: Wie können Gesundheitsdienste Kinder erreichen, bevor sie eingeschult werden? Die Forschenden arbeiteten mit Madagaskars „National Schistosomiasis Control Programme“, lokalen akademischen Partnern und Gesundheitspersonal in der ländlichen Region Boeny zusammen, in der Schistosomiasis weit verbreitet ist. Sie boten die Behandlung über 13 Zentren der primären Gesundheitsversorgung, einem Bezirkskrankenhaus und zwei kommunalen Einrichtungen an, unter anderem im Rahmen von routinemäßigen Kinderuntersuchungen und Impfterminen.

In Frage kommende Kinder im Alter von neun bis 24 Monaten erhielten die Behandlung, ohne zuvor auf Schistosomiasis getestet worden zu sein. Dieser präventive Ansatz zielt darauf ab, eine eventuell bestehende Infektion frühzeitig zu behandeln und das Risiko langfristiger Gesundheitsprobleme zu verringern – nicht jedoch darauf, eine Infektion zu verhindern. Gemäß dem Studienprotokoll verabreichten geschulte Gesundheitsfachkräfte den Kindern eine feste Dosis von 300 mg Praziquantel in Form einer zerkleinerten halben Tablette, gemischt mit Wasser und Zucker. Das Team wählte diese Dosis auf der Grundlage des typischen Gewichts und der typischen Körpergröße von Kindern dieses Alters in Madagaskar sowie der für ihre Körpergröße empfohlenen Medikamentenmenge. Die Partner behandelten die Kinder, schulten zugleich das Personal, sicherten die Medikamentenversorgung und verbesserten die Abläufe, mit denen sich unerwünschte Ereignisse erkennen und behandeln lassen.
Von den 5.142 in die Analyse einbezogenen Kindern erhielten 86,2 % Praziquantel, nachdem ihre Betreuungspersonen zugestimmt hatten. In der Befragung hielten 80,2 % der Betreuungspersonen eine wiederholte Behandlung für akzeptabel. Das Gesundheitspersonal verzeichnete bei 1,2 % der behandelten Kinder innerhalb der ersten 30 Minuten unerwünschte Ereignisse, am häufigsten Erbrechen oder Schläfrigkeit. Kein Kind verschluckte sich bei der Einnahme. Die Betreuungspersonen sollten melden, falls später Probleme auftraten. Innerhalb von 30 Tagen meldete jedoch niemand schwerwiegende Nebenwirkungen. Das bittere Medikament stellte trotzdem eine Herausforderung dar: Viele Kinder weinten oder wehrten sich zunächst, und 3,4 % erhielten nur einen Teil der Dosis. Am häufigsten lehnten Bezugspersonen die Behandlung ab, wenn sie Nebenwirkungen befürchteten.
Von der Forschung zur Gesundheitspolitik
Schistosomiasis gehört zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten – Menschen, die in Armut leben, sind überproportional stark davon betroffen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich zum Ziel gesetzt, die Krankheit bis 2030 in allen betroffenen Ländern als Problem der öffentlichen Gesundheit zu beseitigen. Regelmäßige Behandlungen von Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko stehen im Mittelpunkt ihrer Strategie. Praziquantel ist ein wirksames, sicheres und kostengünstiges Medikament, das die Gesundheitsdienste seit Jahrzehnten einsetzen. In Gemeinden, in denen es an sicherem Trinkwasser und angemessenen sanitären Einrichtungen mangelt, können Behandlungen mit Praziquantel wiederholt werden. Das kann dazu beitragen, Menschen vor schweren Erkrankungen zu schützen, insbesondere wenn diese bereits im Kindesalter beginnen. Die Behandlung verhindert jedoch keine erneute Infektion. Deshalb bleibt es entscheidend, die Wasserversorgung und die sanitären Einrichtungen zu verbessern. Auch der Zugang zu dem Medikament ist unzureichend: Im Jahr 2024 erhielt weniger als die Hälfte derjenigen, die im Rahmen von Schistosomiasis-Bekämpfungsprogrammen eine Behandlung benötigten, diese auch tatsächlich.
Die im Bulletin of the World Health Organization veröffentlichten Ergebnisse zeigen, wie sich jüngere Kinder in die nationalen Behandlungsprogramme gegen Schistosomiasis einbeziehen lassen. Die Studie belegt, dass dieser Ansatz umsetzbar ist. Sie untersuchte jedoch weder den langfristigen gesundheitlichen Nutzen noch, wie viele Menschen in der Gesamtbevölkerung damit erreicht werden können. Die Ergebnisse zeigen, wie Gesundheitsdienste ihre regelmäßigen Kontakte zu Familien nutzen könnten. Zugleich wird deutlich, worauf Programme achten müssen: zuverlässige Arzneimittelversorgung, geschultes Personal und das Vertrauen der Betreuungspersonen in die Behandlung.

„Um die Gesundheitspolitik zu ändern, brauchen wir nicht nur Belege dafür, dass ein Medikament wirkt. Wir müssen auch zeigen, dass die Gesundheitsdienste es bereitstellen können und die Familien die Behandlung annehmen“, sagt die Letztautorin Daniela Fusco, Leiterin der Arbeitsgruppe Implementationsforschung. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Behandlung von Schistosomiasis Teil der Routineversorgung für Kleinkinder werden könnte, und nicht erst beginnt, wenn die Kinder in die Schule kommen.“
Die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung hat die Forschung im Rahmen des PREPRAMA-Projekts gefördert.
Originalveröffentlichung
Marchese V et al., Feasibility of paediatric schistosomiasis prevention with praziquantel, Madagascar, Bull World Health Organ. 2026, DOI: 10.2471/BLT.25.295521
Ansprechperson
Dr. Daniela Fusco
Leiterin Arbeitsgruppe Implementationsforschung
Telefon : +49 40 285380-504
E-Mail : fusco@bnitm.de
Dr. Anna Hein
Presse- & Öffentlichkeitsarbeit
Telefon : +49 40 285380-269
E-Mail : presse@bnitm.de
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